Renault Twizzy im Alltagstest

07.06.2012

Mut kann man Renault nicht absprechen. Ein Gefährt wie den Twizy nicht nur als Vision für Autoshows und Design-Ausstellungen (wie derzeit gerade im Wiener MAK) auf die Räder zu stellen, sondern damit in Produktion zu gehen, hat noch kein Großserienhersteller gewagt.

Zumal der Zwitter aus Auto und Roller nur mit Elektro-Antrieb angeboten wird und damit den potenziellen Kundenkreis auf Leute einschränkt, die Zugang zu einer (mit 16 Ampere abgesicherten) von der Straße erreichbaren Steckdose haben.

Gelenkt wird wie in einem richtigen Auto, die Verstellung der Außenspiegel kann bequem manuell erledigt werden.

Wer diese Bedingung erfüllt und über rund 9000 Euro Spielkapital für einen B-Führerschein-pflichtigen Twizy 80 verfügt (mehr zur Preisgestaltung unten), sollte zudem nicht schüchtern sein. Als Pilot eines Twizy fühlt man sich nicht nur der Umwelt ähnlich ausgesetzt wie auf einem Roller (nur ohne Helm), man wird auch oft angesprochen. Um den Fragenkatalog abzuarbeiten, reicht eine Ampelphase aber nicht aus. Daher hier die Antworten nach den Twizy-Test-Tagen im Wiener Stadtverkehr.

Renault Twizy im KURIER-Alltagstest

Antworten

Schmalgepickt: Das Bild zeigt nicht nur die wahre Breite des Twizy, sondern auch die dauerhafte Absenz von Seitenscheiben. Nein, das ist kein Auto. Der Twizy ist als Quad typisiert, man darf in Wien aber nicht wie mit einem Roller gratis parken (in Graz – weil mit Elektro-Antrieb – schon).

Ja, er macht viel Spaß, wenn man sich an die Dimensionen gewöhnt hat. Er bietet guten Abzug an der Ampel und das seriöse Fahrwerk und der tiefe Schwerpunkt bauen rasch Vertrauen in solide Kurvengeschwindigkeiten auf.

Nein, er ist nicht leise. Einmal in Fahrt, singt einem der E-Motor die Ohren voll. Und das synthetische Blinker-Piepsen wird die in den Keller gefallene allgemeine Blinker-Quote kaum verbessern.

Ja, die Reichweiten-Anzeige (rund 60 km sind in der Praxis drinnen) ist ernst zu nehmen, weil außer Scheibenwischer und Licht keine zusätzlichen Abnehmer an der Batterie zehren.

Nein, Fenster und Heizung gibt es nicht einmal gegen Geld und die Türen kosten rund 600 Euro extra.

Ja, auf die Autobahn dürfte man (außer in Italien), aber das will man sich lieber nicht vorstellen. Dafür verlieren Tempo-30-Zonen ihren Schrecken, weil man in dem kleinen Gefährt Geschwindigkeit viel intensiver erlebt.

Resümee: Twizy macht Spaß – aber eher wie ein Spielzeug. Nüchtern betrachtet vereint er im Stadtverkehr die Nachteile eines Autos (Parkscheinpflicht, kein Vorbeifahren an stehenden Kolonnen) mit denen eines Rollers (kaum Wetterschutz, minimaler Stauraum).

Batterie nur im Leasing

Ein Mal die Er­stehungskosten von 7690 Euro für den billigsten Twizy 80 schlucken und dann nur mehr den Ladestrom zahlen, dieses verlockende Modell funktioniert in der Praxis so nicht. Die Batterie kann nämlich nur gemietet werden, was den Vorteil hat, dass man sich über deren ungewisse Lebensdauer keine Sorgen machen muss.

Allerdings fallen dafür zumindest 50 Euro pro Monat zusätzlich an, dies aber auch nur bei Bindung auf 3 Jahre. Wer sich nur 1 Jahr binden will, zahlt schon 60 Euro monatlich – mindestens. Denn die Leasingkosten sind darüber hinaus auch von der Kilometerleistung abhängig. Der Basispreis gilt für maximal 7500 km pro Jahr, wer mehr fährt, zahlt pro 2500 km 4 Euro pro Monat dazu.

Weitere Kosten: Die Pickerlüberprüfung muss jährlich durchgeführt werden, was Renault auch die Möglichkeit gibt, die tatsächliche Laufleistung zu checken und den Leasing-Tarif notfalls anzupassen. Service: Nach dem ersten Jahr, dann alle zwei Jahre.

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